Grafik: Evi Schoeps

Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. (Josua 1,5)

Auf den ersten Blick sieht die Jahreslosung so aus, als sei sie eigens dafür verfasst worden, dass man sie auf Grußkarten abdrucken und bei Geburtstagsbesuchen zitieren kann. Auf den ersten Blick erfüllt sie die Sehnsucht, in Gott einen gütigen Schutzpatron zu haben.

Auf den zweiten Blick sehen wir den ersten Empfänger dieser Zusage: Josua. Er ist der Mann der nach dem Tod des Mose die vierzigjährige Wanderschaft zu einem glücklichen Ende führen soll: Aus der Knechtschaft in Ägypten durch das Nomadenleben zur Ansiedlung.

Es gibt Probleme über Probleme: Seit dem Aufbruch ist eine ganze Generation gestorben. Josua ist nicht der überragende Mose. Er hat einen wichtigen Auftrag, aber er ist ein Mann der zweiten Garnitur. Vor allen Dingen: Das Land ist bereits besiedelt. Die Bewohner haben ihre eigenen Gottheiten und warten nicht auf das Volk Israel und noch weniger auf dessen Religion.

Später, nach der abgeschlossenen Ansiedlung wird Josua beim „Landtag zu Sichem“ fragen:
„Wählt euch, wem ihr dienen wollt: Den Göttern, denen eure Väter gedient haben...oder den Göttern, in deren Land ihr jetzt seid. Ich aber, und mein Haus, wir wollen dem HERRN dienen.“

Aber noch ist es nicht soweit. Der reißende Jordan muss überquert werden. Eine Riesenaufgabe für ein Wüstenvolk. Gott sagt Josua zu, dass er mit ihm sein wolle, wie er mit Mose gewesen ist: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“ Von Mose heißt es: Er redete mit Gott wie mit einem Freund. Da war ein tiefes Vertrauen, ein aufmerksames Fragen nach dem Willen Gottes.

Wenn die Bibel vom Willen Gottes redet, dann zeigt sie, dass Gottes Wort weder ein starres Gesetzbuch ist noch ein Nachschlagewerk. Es ist eher zu lesen wie ein Liebesbrief. Den liest man immer wieder, um seinen Inhalt aufzusaugen, um das Herz von ihm erfüllen zu lassen.

„Lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht“, wird Josua gesagt. Was das heißt, zeigt der Psalm 1: Dort wird selig gepriesen, wer Gottes Wort ständig in sich bewegt. Ps.139 macht noch einmal klar, dass es nicht um das formale Einhalten von Regeln geht: „Prüfe mich, und erfahre, wie ich es meine, und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege“. Der rote Faden im Leben Jesu hieß: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“

Wer Jesus nachfolgt, der will nicht Gottes Segen für sein Tun, sondern er will tun, was Gott segnet. Gott hat sich nicht ein Volk erwählt, weil er jemandes Schutzpatron sein wollte. Gott hat sich Israel und durch Jesus die Christenheit erwählt, weil er will, dass sein Name geheiligt werde, sein Wille geschieht und sein Reich kommt.

Das Gebiet um den Jordan ist auch heute ein umstrittenes und umkämpftes Gebiet. Man denke nur an die Parolen des iranischen Präsidenten, Israel von der Landkarte zu tilgen.

Nun könnte man mit unserer Losung sagen: Das wird nicht passieren, denn: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“ So könnte auch die Gemeinde Jesu angesichts all ihrer Krisen sagen.

Es kann dem Volk Gottes schlimmeres passieren als eine Niederlage: Dass es sich und seine Institutionen retten will. Dass es nicht mehr nach dem Willen Gottes fragt.

Das Josuabuch ist lange nach den Ereignissen verfasst. Es erzählt als Zeugnis die Überlieferung der Väter. Es erzählt einen Abschnitt der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Vieles daran ist uns heute anstößig. Die Geschichte der Berufung durch Gott begann mit Abraham. Sie wird sich vollenden, wenn Christus wiederkommen wird und dem Vater die vollendete Schöpfung zu Füßen legt. Dann wird Gott sein „alles in allem“.
Sein Ziel ist die Versöhnung mit allen Völkern. Dann findet auch das eine Antwort, was wir heute nicht verstehen. Dann wird deutlich, was der Name Josua bedeutet: Gott ist Retter! „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“


Text: Hermann Bollmann
Grafik: Evi Schöps (
Bildbetrachtung)

Hermann Bollmann war 23 Jahre CVJM-Sekretär in Hamburg und Essen, anschließend bis zum Ruhestand 12 1/2 Jahre Leiter der Öffentlichkeitsarbeit einer internationalen ökumenischen Missionsgemeinschaft

Evi Schöps, Studium Bildende Kunst und Theologie, Grund- und Hauptschullehrerin, langjährige Mitarbeit in der SMD-Schülerarbeit, Mitarbeit in der örtlichen Kirchengemeinde in Heimsheim. Kirchlicher Grundschul-Lehrauftrag im Fach Religion. Anschluss an eine Künstlergruppe, 1999 erste Gemeinschaftsausstellung in Heimsheim, Schwerpunkt: Bilder, die den christlichen Glauben thematisieren. Arbeit an einem Zyklus von 26 Bildern, der ab Mitte Juni 2001 in der ev. Stadtkirche Heimsheim unter dem Thema: "Von Anfang bis Zuhause - ein Wortbilder-ABC des Glaubens", ausgestellt ist. Die Bilder, überwiegend Aquarelle, sind ergänzt durch kleine eigene Texte. Evi Schöps ist verheiratet, Mutter von 4 Söhnen.

 

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Jahreslosung 2008
Ich lebe und ihr sollt auch leben
Joh. 14,19



(Bild: Evi Schöps, Heimsheim)